Agile Hochschule

Wie kann eine Hochschule agil sein? Agil sein als Organisation? Auf berinfor.ch findet sich ein interessanter Artikel dazu mit dem Titel „2018 Befragung | Mit mehr Agilität die Hochschule gestalten„.

Zitat (S. 6): „Führungspersonen zeigen eine Zielsetzung/Vision auf und delegieren deren konkrete Umsetzung. Dies beinhaltet einen Wechsel von einem planerischen Vorgehen über mehrere Etappen, Milestones und grössere Zeitspannen, hin zu einem iterativen Vorgehen, in welchem die verfügbaren Ressourcen definiert sind, jedoch keine Anforderungen an die Lösung sind (im Rahmen der Vision).“

Das führt in die richtige Richtung, denke ich. Allerdings: Ich meine, der Versuch der zentralen Steuerung wird in dieser Formulierung immer noch etwas zu verkrampft aufrecht erhalten. Agil wird eine Organisation, wenn sie Emergenz zulässt, auch was die Zielsetzung/Vision betrifft: Wenn sie es zulassen kann, dass auch Zielsetzung und Vision sich ergeben und fortlaufend entwickeln darf. Soweit geht dieses Dokument nicht. Dennoch: Es bewegt uns in diese Richtung.

Administrationsmüll vermeiden: konkret

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By Loyalcityrailcustomer | Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Überadministration ist Littering in Organisationen: Unmengen von Bestimmungen, die man gar nicht alle kennen kann, auch gar nicht kennen will, liegen herum und irgendwann stolpert man darüber. Abläufe, die alles nachvoll­ziehbar machen – aber auch enorm schwerfällig – verbreiten einen schlechten Geruch. Bericht­erstattungs­daten­produktion ohne Ende, die doch niemand ernsthaft liest, überdeckt das Schöne und Wichtige in der eigenen Organisation.

Nun ja – als Betroffene darüber lamentieren ist das eine. Was aber, wenn man auf der Seite derjenigen steht, die irgendetwas nun mal administrieren müssen? Wie kann man dann umweltschonend handeln und Administrations­müll vermeiden?

Wir haben daran gearbeitet: Über die Entwicklung von Lösungen für zwei konkrete Administrationsaufgaben informiert der Bericht zum Organisationsbier 3.

Neo-Taylorismus: Endlich die Ursache für die grassierende Überadministration gefunden?

Vielleicht ist es der Versuch, den Taylorismus (billigere Produktion durch ihre Aufteilung in extrem detaillierte, zerlegte und normierte Arbeits-Teil-Aufgaben) aus der industriellen Produktion auf Gesundheitswesen, Bildung und Dienstleistungen zu übertragen: Eine solche Zerlegung und Normierung kann allerdings für Bildungsarbeit nicht in demselben Sinn Sinn machen, speziell (aber nicht nur) weil hier Beziehung zentral ist – im Unterschied zur Produktion von Schrauben, zu denen ich nicht unbedingt eine Beziehung haben muss. Weil die Übertragung des Tylorismus z.B. auf ein Institut einer Hochschule mit seinen Bildungs-, Forschungs- und Dienstleistungsaufgaben prinzipiell insgesamt nicht sinnvoll möglich ist (in gewissen Teilen ja, aber darum geht es hier nicht), man es aber doch unerbittlich versucht, mündet dieser Versuch in immer mehr Papier und Schein-Taylorisierung: Weil es immer noch nicht ganz klappt, halt noch eine Prozessbeschreibung dazu. Und weil es jetzt dafür an einem anderen Ort happert, eine allgemeine Weisung mehr. Und weil jetzt die Unzufriedenheit steigt, nochmals eine Evaluation. Usw.
Mehr dazu gibt es im Buch “Creating a New Public University” von Morten Levin und Davydd Greenwood. Und einige Hauptpunkte daraus als Blogbeitrag von Eli Thorkelson.

Bald im Kino «Die stille Revolution» – echte Organisationsentwicklung im Dokumentarfilm

«Laut einer Gallup-Studie aus dem Jahr 2016 halten sich ‹97 Prozent aller Führungskräfte für eine gute Führungskraft›. Das klingt schon fast unfreiwillig komisch angesichts eines Arbeitsmarktes, der von Fachkräftemangel, Fluktuation und hohen Krankenständen geprägt ist.» schreibt Katja Geis auf neustarter.com. Und weiter: Ein Film zu dieser Thematik kommt diesen Winter ins Kino. Er handelt von einem Chef, der tatsächlich merkt, dass er nicht so toll ist, wie er dachte und daraus Konsequenzen zieht, die die ganze Firma auf den Kopf – oder eben auf die Füsse – stellt.
«Die stille Revolution» wurde in Cannes als «Bester Dokumentarfilm» ausgezeichnet. Ich freue mich auf’s Winterkino.

Dokumentierung und Leistungserfassung statt Gesundheitsversorgung

Gegen die Entwicklung «PC-Arbeit statt Patientenarbeit» schreibt Prof. Andreas Kley, Universität Zürich. Auf dem Internetauftritt der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften kommentiert er einen entsprechenden Artikel der NZZ. Sein kurzer Text endet mit diesen zwei Sätzen: «Pflegefachpersonen, wie auch Mediziner sitzen stundenlang vor Bildschirmen und geben Daten ein. Dokumentierung und Leistungserfassung ist wichtiger als die Gesundheitsversorgung.» –> mehr …

Adminus lanciert das «Organisationsbier»

Getränke, Inspirationen, Gespräche an Tischchen, Musik und Rythmus, Menschen und Themen begegnen – das ist das «Organisationsbier». Wie das so funktioniert, kann man bei der Schwesterveranstaltung «Bildungsbier» anschauen, z.B. im Bericht über das Bildungsbier zum Thema «Digitalog» oder dasjenigen zum Thema «Didaktik als Kunst».
Wir starten eine Sequenz von drei Veranstaltungen: 21.3., 30.5. und 4.9.2018, jeweils ab 18 Uhr (21.3. ab 18:30 Uhr) im Impact Hub Garage, Geroldstrasse 33, in Zürich (direkt beim Bahnhof Hardbrücke), Dauer ungefähr zwei Stunden.
Für den Besuch von allen drei Veranstaltungen und entsprechende Bürokratireduktions-Aktivitäten dazwischen stellen wir auf Wunsch ein Zertifikat als BürokratiereduktorIn aus. Selbstverständlich können die Veranstaltungen gerne auch einzeln besucht werden – willkommen!
Hier geht’s zum Flyer zum Organisationsbier Nr. 1.

Der Wasserkopf der Fachhochschulen

Im Schnitt wenden die Fachhochschulen der Schweiz einen Drittel der Mittel für die Administration auf. Der Anteil ist in den letzten Jahren leicht gestiegen. Für die Lehre beträgt der Prozentsatz 49%. Die einzelnen Fachhochschulen weichen von diesen Mittelwerten zum Teil erheblich ab. Lesen Sie dazu den Text von Jörg Krummenacher in der NZZ vom 3.2.2018:
https://www.nzz.ch/schweiz/der-wasserkopf-der-fachhochschulen-ld.1353632

Thomas Kessler kritisiert die Regulierung unseres Lebens: Befreit uns!

Gastkommentar in der Aargauer Zeitung vom 30. Dezember 2017 von Thomas Kessler, ehemaliger Leiter Task Force Radikalisierung BS/BL.

Statt überbordender Ordnungsparagraphen ist es besser für eine Gesellschaft von Mündigen, mehr Anstand, Empathie und Zivilcourage zu zeigen. „So lässt sich nämlich ganz ohne Bürokratie gut arbeiten, feiern und gegenseitig helfen.“

https://www.aargauerzeitung.ch/kommentare-aaz/thomas-kessler-kritisiert-die-regulierung-unseres-lebens-befreit-uns-132037355