Administrationsmüll vermeiden: konkret

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By Loyalcityrailcustomer | Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Überadministration ist Littering in Organisationen: Unmengen von Bestimmungen, die man gar nicht alle kennen kann, auch gar nicht kennen will, liegen herum und irgendwann stolpert man darüber. Abläufe, die alles nachvoll­ziehbar machen – aber auch enorm schwerfällig – verbreiten einen schlechten Geruch. Bericht­erstattungs­daten­produktion ohne Ende, die doch niemand ernsthaft liest, überdeckt das Schöne und Wichtige in der eigenen Organisation.

Nun ja – als Betroffene darüber lamentieren ist das eine. Was aber, wenn man auf der Seite derjenigen steht, die irgendetwas nun mal administrieren müssen? Wie kann man dann umweltschonend handeln und Administrations­müll vermeiden?

Wir haben daran gearbeitet: Über die Entwicklung von Lösungen für zwei konkrete Administrationsaufgaben informiert der Bericht zum Organisationsbier 3.

Neo-Taylorismus: Endlich die Ursache für die grassierende Überadministration gefunden?

Vielleicht ist es der Versuch, den Taylorismus (billigere Produktion durch ihre Aufteilung in extrem detaillierte, zerlegte und normierte Arbeits-Teil-Aufgaben) aus der industriellen Produktion auf Gesundheitswesen, Bildung und Dienstleistungen zu übertragen: Eine solche Zerlegung und Normierung kann allerdings für Bildungsarbeit nicht in demselben Sinn Sinn machen, speziell (aber nicht nur) weil hier Beziehung zentral ist – im Unterschied zur Produktion von Schrauben, zu denen ich nicht unbedingt eine Beziehung haben muss. Weil die Übertragung des Tylorismus z.B. auf ein Institut einer Hochschule mit seinen Bildungs-, Forschungs- und Dienstleistungsaufgaben prinzipiell insgesamt nicht sinnvoll möglich ist (in gewissen Teilen ja, aber darum geht es hier nicht), man es aber doch unerbittlich versucht, mündet dieser Versuch in immer mehr Papier und Schein-Taylorisierung: Weil es immer noch nicht ganz klappt, halt noch eine Prozessbeschreibung dazu. Und weil es jetzt dafür an einem anderen Ort happert, eine allgemeine Weisung mehr. Und weil jetzt die Unzufriedenheit steigt, nochmals eine Evaluation. Usw.
Mehr dazu gibt es im Buch “Creating a New Public University” von Morten Levin und Davydd Greenwood. Und einige Hauptpunkte daraus als Blogbeitrag von Eli Thorkelson.

Bald im Kino «Die stille Revolution» – echte Organisationsentwicklung im Dokumentarfilm

«Laut einer Gallup-Studie aus dem Jahr 2016 halten sich ‹97 Prozent aller Führungskräfte für eine gute Führungskraft›. Das klingt schon fast unfreiwillig komisch angesichts eines Arbeitsmarktes, der von Fachkräftemangel, Fluktuation und hohen Krankenständen geprägt ist.» schreibt Katja Geis auf neustarter.com. Und weiter: Ein Film zu dieser Thematik kommt diesen Winter ins Kino. Er handelt von einem Chef, der tatsächlich merkt, dass er nicht so toll ist, wie er dachte und daraus Konsequenzen zieht, die die ganze Firma auf den Kopf – oder eben auf die Füsse – stellt.
«Die stille Revolution» wurde in Cannes als «Bester Dokumentarfilm» ausgezeichnet. Ich freue mich auf’s Winterkino.

Dokumentierung und Leistungserfassung statt Gesundheitsversorgung

Gegen die Entwicklung «PC-Arbeit statt Patientenarbeit» schreibt Prof. Andreas Kley, Universität Zürich. Auf dem Internetauftritt der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften kommentiert er einen entsprechenden Artikel der NZZ. Sein kurzer Text endet mit diesen zwei Sätzen: «Pflegefachpersonen, wie auch Mediziner sitzen stundenlang vor Bildschirmen und geben Daten ein. Dokumentierung und Leistungserfassung ist wichtiger als die Gesundheitsversorgung.» –> mehr …

Adminus lanciert das «Organisationsbier»

Getränke, Inspirationen, Gespräche an Tischchen, Musik und Rythmus, Menschen und Themen begegnen – das ist das «Organisationsbier». Wie das so funktioniert, kann man bei der Schwesterveranstaltung «Bildungsbier» anschauen, z.B. im Bericht über das Bildungsbier zum Thema «Digitalog» oder dasjenigen zum Thema «Didaktik als Kunst».
Wir starten eine Sequenz von drei Veranstaltungen: 21.3., 30.5. und 4.9.2018, jeweils ab 18 Uhr (21.3. ab 18:30 Uhr) im Impact Hub Garage, Geroldstrasse 33, in Zürich (direkt beim Bahnhof Hardbrücke), Dauer ungefähr zwei Stunden.
Für den Besuch von allen drei Veranstaltungen und entsprechende Bürokratireduktions-Aktivitäten dazwischen stellen wir auf Wunsch ein Zertifikat als BürokratiereduktorIn aus. Selbstverständlich können die Veranstaltungen gerne auch einzeln besucht werden – willkommen!
Hier geht’s zum Flyer zum Organisationsbier Nr. 1.

Unbürokratische Verwaltung

Das «Forum Agile Verwaltung» hat eine wertvolle Zusammenstellung von Links und Fachinformationen veröffentlicht auf www.agile-verwaltung.org. Zunächst hilfreiche Informationen dazu, was Agilität/agiles Handeln bedeutet und was dazu hilft. Es folgend dann die Kategorien «Lean Management», «Führung und Leadership», «Öffentliche Verwaltung», «Sozialwirtschaft», «Neue Arbeitswelt» und «Foren und Gruppen in sozialen Netzwerken». Ein Fundus für Inspiration und Vernetzung!

Verstärkung: Veranstaltungen und Organisationen, die in die gleiche Richtung ziehen

Die dritte Ausgabe der Veranstaltungsreihe «Bildungsbier» an der Hochschule Luzern war dem Thema «Keimkraft im Bildungssystem» gewidmet. In Zentrum stand die Frage «Wie können wir zu Strukturen beitragen, in denen es sich gut lehrt und lernt?» Ein Bericht über die Veranstaltung mit Bildern und Video findet sich unter blog.hslu.ch/blog/archives/5197
An dieser Veranstaltung nahm auch eine Vertreterin des «Forum Agile Verwaltung» teil – damit stehen wir ab sofort in Kontakt: www.agile-verwaltung.org.

Wem soll Bildung dienen?

«Wollen wir Wissen (und praktische Fähigkeiten) primär als Instrumente im Kampf um Wettbewerbsvorteile betrachten oder als Grundlagen einer uns allen gemeinsamen humanen Kultur, die zu erhalten und weiterzuentwickeln wir alle gleichermassen aufgerufen sind?» Dieser Frage geht Thomas Kesselring nach. Schön zu sehen, wie sich Widerstand formiert gegenüber der Nutzung von Schulen als Marketinplattformen (https://www.lch.ch/fileadmin/files/documents/Publikationen/161108_Charta_Sponsoring.pdf) Aber es gibt noch andere Formen, wie Bildung über die Schiene einer sogenannten Ökonomie ans Gängelband gerät. Mehr dazu und zu den Gegenbewegungen auf http://www.infosperber.ch/Artikel/Bildung/Universitaten-Hochschulen-Bildung-im-Sog-der-Wirtschaft.
Mit herzlichem Dank an den Autor hier der Text in voller Länge.

Organisationsentwicklung, die beim Sinn des eigenen Unternehmens ansetzt

Jean-Paul Munsch stellt, wenn er Schulen für ihren Organisationsentwicklung begleitet, als erstes die Frage: „Was ist der Sinn der Schule?“ Damit meint er: Was ist der Sinn dieser Schule? Er könnte durchaus anders sein, als er vor 10 Jahren war und auch anders als derjenige einer anderen Schule. Die Antwort auf diese Frage wird von den Mitarbeitenden gemeinsam erarbeitet. Das ist der Anfang für die Organisationsentwicklung – die entsprechend „sinn“-volle Verteilung von Verantwortung und Kompetenzen folgt dann als nächster Schritt. Mehr dazu unter http://www.munsch-coach.ch.
Dieses Vorgehen könnte für jede andere Organisation genauso passen! Vorteil bei Jean-Paul Munsch: Er hat Erfahrung damit – es funktioniert offenbar.

Deutschland: Abschied vom ECTS

Zuweilen dauert es, bis eine Erkenntnis reift. Nun ist es soweit: „Die Politik beerdigt stillschweigend das Verrechnungssystem für Studienleistungen“, schreibt die FAZ am 20.7.2016. Dass für die Erfindung und Aufrechterhaltung des ECTS-Systems mehr Reputationspunkte vergeben worden sind als für deren Abschaffung, liegt wohl in der Natur der Sache: Bildung und der gescheiterte Versuch, sie zu quantifizieren, sind zweierlei. Ob im Schweizerischen Bildungssystem bei der Korrektur nun wohl auch vorauseilend gehorcht wird?
Der ganze Artikel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/bologna-prozess-abschied-von-den-leistungspunkten-14346897.html

Marianne Rychner